GEGENLICHTER. Suche nach Paul Celan


KONZEPT

Schwer fassbar und dunkel liegen das Leben und Werk des Dichters Paul Celan (1920 – 1970) vor demjenigen, der sich ihm zu nähern versucht: „Historisches Dunkel“ der entsetzlichen Verbrechen des „Dritten Reiches“ und deren Folgen, „persönliches Dunkel“ im Leben des Dichters, das er stets vor der Außenwelt zu verschließen suchte und schließlich das außergewöhnliche, tiefe und komplexe Dunkel seiner Dichtung, zu derer Entschlüsselung bis heute immer wieder neue Zugänge gesucht werden.

Wie kann sich der Film, der wie kein anderes künstlerisches Medium mit dem Licht operieren muss, zu so viel Dunkel verhalten? Wie kann er einen Zugang zum Leben und Werk Celans finden, ohne Dinge zu zerstören, indem er sie ans Licht zerrt? Diese Frage stand für mich im Mittelpunkt der Inszenierung.

Mit dem Film „Gegenlichter“ versuche ich, eine gegenwärtige „Wirklichkeit“ so zu betrachten, dass eine in ihr lebende Vergangenheit spürbar werden kann. Bestehende biografische Fakten sollen nicht einfach fraglos „übernommen“ werden, sondern müssen immer mit der Gegenwart in Beziehung treten; es ist ja fraglich, inwieweit sie tatsächlich imstande sind, ein Menschenleben widerzuspiegeln. So beschreibt „Gegenlichter“ zum einen eine filmische Suche nach dem Wenigen, das überhaupt gesagt und gezeigt werden kann über eine Person, die man nie gekannt hat. Zum anderen versucht der Film eine vorsichtige Annäherung an das Werk Celans, die sowohl inhaltlich als auch formal geschieht und immer nur lückenhaft und fragmentarisch sein kann. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, in das Dunkel weiter vorzudringen, vor dem der Film zurückbleiben muss.

 

 

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