CaRabA


KONZEPT

Ein junger Zuschauer hat es kürzlich in etwa so ausgedrückt: „In dem Film ist es so, als würde plötzlich eine Schablone weggenommen werden. Diese Schablone sind die Verhaltensweisen von den Erwachsenen und ihre Sicht auf die Welt. Unter der Schablone kommen auf einmal die Kinder und die Jugendlichen zum Vorschein: Der Alltag verläuft jetzt nach ihren Strukturen. Wie ein Muster, das eigentlich die ganze Zeit über schon da war und das man unter der Schablone aber nicht sehen konnte.“

Die Welt in CaRabA ist in einem sonderbaren Bereich zwischen Phantasie und Realität angesiedelt. Zwar bewegt sich die Handlung stets innerhalb des Alltäglichen, die Art und Weise der Darstellung verlässt aber immer wieder unser vertrautes Hier und Jetzt: Die Dialoge werden lässig gesprochen, klingen dabei jedoch oft poetisch oder gar philosophisch. Gegenstände, die manchmal aussehen wie aus tiefer Vergangenheit geholt, kommen in futuristisch anmutenden Gebäuden zum Einsatz. Uralte Fahrzeuge kreisen mit der größten Selbstverständlichkeit durch moderne Innenstädte und befördern Geschäftsreisende mit der gleichen Gewissenhaftigkeit wie Kinder, belesene Pensionisten oder Obdachlose. Sonnenwarmes Licht fällt durch zerkratzte Fensterscheiben und taucht dann, kühler werdend, in glatte, merkwürdig kubistisch geformte Betonwände ein. Nach der Dämmerstunde pulsiert Neonblau durch Nachtclubs und Chemie-Labore, bevor es, nur wenige Meter weiter, auf Kerzenschein oder warme, häusliche Glühbirnen trifft. Tauben flattern, Fahrräder quietschen, Stimmen hallen durch leere Museen. Antike Pendeluhren takten sich ihren Weg durch elektronisch-träumerische Musikpassagen... Wer erweckt hier wen? Was ist alt, was ist neu, was ist angemessen?

Man kann ins Nachdenken geraten angesichts der Tatsache, dass ein Film, der Kinder und Jugendliche Verantwortung für ihr Leben ergreifen lässt, automatisch wegrücken muss von der Realität. Dabei gehören Freiheit und Verantwortung zu den schwersten und wesentlichsten Aufgaben! Wer in CaRabA eine rosarote Welt mit stets strahlenden Menschen erwartet, der wird enttäuscht. Durchaus ernsthaft und konzentriert setzen sich die jungen Protagonisten mit ihren Lebenssituationen auseinander. Sie alle zeichnet eine gewisse Unbestechlichkeit in ihrem Handeln und Urteilen aus, was dazu führt, dass sie es sich nicht einfach machen. Trotzdem bleiben sie immer spielerisch, finden kreative Wege, suchen den Kontakt zu anderen.

Die Tatsache, dass diese Protagonisten nicht zur Schule gehen müssen, wird in CaRabA zunächst gar nicht deutlich herausgestellt. Warum ist sie dennoch so wesentlich für das Wegfallen der „Erwachsenen-Schablone“? Das Schulsystem (in seiner Gestalt als „Pflicht“, der nicht nachzukommen einer Kriminalisierung gleicht) ist ja nur eines von vielen Gesellschafts- und Wertesystemen, die auf der Annahme beruhen, dass ein hohes Maß an individueller Freiheit schädlich sei für ein zivilisiertes Zusammenleben. Trotzdem hat es einen besonderen Stellenwert, eben weil es das erste dieser Systeme ist, zumindest in einer geschlossenen und institutionalisierten Form, dem ein junger Mensch gegenübertreten muss. Dem er sich also – letztendlich – beugen oder widersetzen kann, wobei es zwischen beiden Extremen natürlich unzählige Mittelwege gibt. In meinen Augen darf aber kein System uns wertvoller sein als ein lebendiger Mensch, zumal als ein junger Mensch, mit seinen Hoffnungen und mit seiner Freiheit, sich zu sich selbst hin zu entwickeln. Ein Mensch weiß schließlich selber am besten, wovon er träumt und wohin er gehen will und was er dafür erlernen muss. Und dazu gehört auch, wann, wie und mit wem er das alles lernen kann.

CaRabA zeigt in Ansätzen: Es ist alles andere als einfach, sich für ein selbstbestimmtes Leben zu entscheiden. Aber – und auch das zeigt der Film – es wird sich immer lohnen! Weil dadurch junge, neugierige, unvoreingenommene und liebenswerte – kurz: Lebendige Muster zum Vorschein kommen, die beginnen können, unsere Gesellschaft im besten Sinn zu verändern.

 

 

zurück